Kulturrelativismus und Aufklärung

Eine Debatte über den Umgang mit Fremdem

Unter dem Titel Dschungelmärchen erschien am 15./16.10.2016 eine Polemik gegen die Ethnologie in der Süddeutschen Zeitung (online unter dem Titel Die Mär vom edlen Wilden am 17.10.2016).  Der Autor Christian Weber zeichnet darin ein Bild des Faches, das die Ethnologie als unheilbringende und gefährliche Verklärerin barbarischer Verhaltensweisen erscheinen lässt, gehe doch der in die Gründung der Ethnologie eingeschriebene...
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2017-04-18

Christian Weber’s specific claims in the Süddeutsche Zeitung about the relationship of ethnology to native peoples hardly deserves our attention, so unreservedly arrogant and mean-spirited, as it is, filled with willful ignorance and misrepresentation. I am most puzzled why the editors of the SZ, which I highly respect and regularly read, would suspend their consistently high standards for truthful information and print such a piece for today’s readers. In...

2017-04-11

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Der Artikel von Christian Weber ist ausführlich besprochen und seine Einwände gegen das Fach sind von ihm selbst relativiert, von anderen widerlegt worden. Das “Gespenst des Indigenen” ist einmal als europäischer Eskapismus (von BoBos, Lebensreformern etc.), ein anderes Mal als letzte Gefährdung (innere und äußere: der Pegida-Sachse, der Detonations-Syrer) enttarnt worden, aber kaum mehr als Phantasma der akademischen Ethnologie. Webers Beitrag legt trotzdem...

2017-04-04

Das Problem der öffentlichen Wahrnehmung

Die Ethnologie hat ein Problem mit ihrer öffentlichen Wahrnehmung. Es ist offenbar schlecht bestellt um die Allgemeinverständlichkeit des Faches. Sollen sich die Presse, die selten genug über unsere Arbeit berichtet, und die interessierte Öffentlichkeit soweit in unsere Disziplin einarbeiten, dass die ethnologische „Krise der Repräsentation", der „ontologische turn“ und die „Anthropos-Debatte“ keine Fremdworte mehr für sie sind? So funktioniert die Welt leider nicht. Wir müssen uns also erstmal  den schwarzen Peter selbst...

2017-03-28

Es scheint, als ob SZ-Journalist Christian Weber, als er beschloss, das rostige Perpetuum Mobile der Kritik an der 'Mär vom edlen Wilden' erneut anzuwerfen, nichts besseres zu tun hatte. Okay, okay – in der unwirtlichen Welt des Berufsjournalismus mag es weiterhin angebracht sein, über Themen, denen die heimische Nestwärme fehlt, vorsichtshalber so massiv drüber zu bügeln, dass am Ende nichts als eine Mär übrig bleibt. Und vielleicht kann man sogar ein bisschen...

2017-03-21

In der Debatte in diesem Blog ist im Prinzip das Wichtigste schon gesagt. Es geht der Ethnologie nicht darum, Praktiken zu legitimieren, die aus einem modernen menschenrechtlichen Perspektive als unmenschlich und gewaltsam abzulehnen sind, wie z.B. brachiale körperliche Eingriffe. Vielmehr geht es darum, solche Praktiken aus dem Sinnzusammenhang heraus zu verstehen, in dem sie als notwendig erscheinen. Das braucht nicht wiederholt zu werden. 
 
Wichtig ist aber noch etwas anderes. Wir Nachbardisziplinen, wie etwa die Soziologie, können von der Ethnologie lernen – die Distanz...

2017-03-14

“Civilized men are more discourteous than savages 
because they know they can be impolite 
without having their skulls split, 
as a general thing.”
― Robert E. Howard, The Tower of the Elephant
 
"It is always useful—even necessary—to understand non-A in order to understand A."
― Alain Testart, What is a Gift (2013: 256)
 
Herr Weber hat nicht erwarten können, dass sein Beitrag in der ...

2017-03-07

Worum geht es hier und warum lohnt es sich, darüber zu diskutieren? Ein uninformierter Wissenschaftsjournalist, der an anderer Stelle[1] von sich behauptet, den akademischen Betrieb als eine Art Dolmetscher kritisch zu beobachten, und gerne „große, tiefe Geschichten“ schreiben möchte, wie sie bei der Süddeutschen Zeitung noch möglich seien, veröffentlicht einen oberflächlichen, uninformierten und verquasten Artikel. In diesem vermischt er seine Kritik an dem exotisierenden Bildband eines britischen Foto-Journalisten, der anhand bewusst inszenierter Porträts von Jägern und Kriegern...

2017-02-28

Anmerkung der Redaktion: Marpurg uff Fastnacht 2017

Dieser Blog verdankt sein Entstehen einem Feuilleton-Aufsatz, doch um den geht es hier inzwischen kaum noch, sondern allgemein um ethnologischen Kulturrelativismus. Den möchte ich aber auch noch einmal auf jenen Aufsatz anwenden. Ich nehme ihn zum Beispiel einer von vielen widersprüchlichen Facetten unserer uneinheitlichen Kultur: Der Feindschaft gegen schöne Bilder.
 
Die Hauptkritik des...

2017-02-21

Warum reagieren deutsche Ethnologinnen und Ethnologen derart dünnhäutig auf ein paar journalistische Seitenhiebe auf ihr Fach? Auf die Gefahr hin, als Nestbeschmutzer zu gelten: Der Journalist, dessen Artikel diesen gelehrten ‚Shitstorm‘ auslöste, hat einen wunden Punkt getroffen, sonst würden sich nicht so viele von uns bemüßigt fühlen, Repliken zu verfassen. Er trifft das Fach und seine Vertreterinnen und Vertreter in zweifacher Hinsicht, freilich anders als beabsichtigt, sozusagen von hinten durch die Brust ins Auge. Es bietet sich deshalb an, weniger die Anwürfe des Journalisten, zu...

2017-02-14

Runde 1.
 
Ist es wirklich notwendig, einen Blog zum Kulturrelativismus ins Leben zu rufen, weil ein Wissenschaftsjournalist grobschlächtig über unser Fach generalisiert? Nein, wahrscheinlich nicht. Aber zugegeben: Weber ist kein Einzelfall. Auch in der „Zeit“ konnte man vor einiger Zeit einen Artikel lesen, der den Begriff Kulturrelativismus mit moralischer Indifferenz gleichsetzte. 
 
Demnach fliegen hier gleich mehrere Bedeutungen des Begriffs unordentlich durcheinander. Natürlich ist Kulturrelativismus erst einmal nur eine methodische Voraussetzung in...

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