Kulturrelativismus und Aufklärung

Eine Debatte über den Umgang mit Fremdem

DER BLOG MACHT EINE URLAUBSPAUSE BIS ZUM SEPTEMBER. WIR WÜNSCHEN EINEN SCHÖNEN SOMMER!

Unter dem Titel Dschungelmärchen erschien am 15./16.10.2016 eine Polemik gegen die Ethnologie in der Süddeutschen Zeitung (online unter dem Titel Die Mär vom edlen Wilden am 17.10.2016).  Der Autor Christian Weber zeichnet darin ein Bild des Faches, das die Ethnologie als unheilbringende und gefährliche Verklärerin barbarischer...
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2017-02-28

Anmerkung der Redaktion: Marpurg uff Fastnacht 2017

Dieser Blog verdankt sein Entstehen einem Feuilleton-Aufsatz, doch um den geht es hier inzwischen kaum noch, sondern allgemein um ethnologischen Kulturrelativismus. Den möchte ich aber auch noch einmal auf jenen Aufsatz anwenden. Ich nehme ihn zum Beispiel einer von vielen widersprüchlichen Facetten unserer uneinheitlichen Kultur: Der Feindschaft gegen schöne Bilder.
 
Die Hauptkritik des...

2017-02-21

Warum reagieren deutsche Ethnologinnen und Ethnologen derart dünnhäutig auf ein paar journalistische Seitenhiebe auf ihr Fach? Auf die Gefahr hin, als Nestbeschmutzer zu gelten: Der Journalist, dessen Artikel diesen gelehrten ‚Shitstorm‘ auslöste, hat einen wunden Punkt getroffen, sonst würden sich nicht so viele von uns bemüßigt fühlen, Repliken zu verfassen. Er trifft das Fach und seine Vertreterinnen und Vertreter in zweifacher Hinsicht, freilich anders als beabsichtigt, sozusagen von hinten durch die Brust ins Auge. Es bietet sich deshalb an, weniger die Anwürfe des Journalisten, zu...

2017-02-14

Runde 1.
 
Ist es wirklich notwendig, einen Blog zum Kulturrelativismus ins Leben zu rufen, weil ein Wissenschaftsjournalist grobschlächtig über unser Fach generalisiert? Nein, wahrscheinlich nicht. Aber zugegeben: Weber ist kein Einzelfall. Auch in der „Zeit“ konnte man vor einiger Zeit einen Artikel lesen, der den Begriff Kulturrelativismus mit moralischer Indifferenz gleichsetzte. 
 
Demnach fliegen hier gleich mehrere Bedeutungen des Begriffs unordentlich durcheinander. Natürlich ist Kulturrelativismus erst einmal nur eine methodische Voraussetzung in...

2017-02-07

Der Artikel Die Mär des edlen Wilden erscheint heute wie eine Polemik, doch zur Hochzeit des Kolonialismus würde Christian Webers Argumentation die gängige Geisteshaltung widerspiegeln. Kolonialismus definierte sich nicht nur durch die Landnahme oder die Ausbeutung von Arbeitskräften, sondern auch durch die Beherrschung des Bewusstseins und Denkens. Die Mittel hierfür waren nicht physische Gewalt, sondern die Sprache der Kolonialherren und die Einführung von...

2017-01-31

Die Selbstvergessenheit von “Kulturkritikern”

Immer wieder einmal wird der Ethnologie vorgeworfen, sie idealisiere abstruse kulturelle Praktiken bei “indigenen” nichteuropäischen Gesellschaften. Impliziert wird in der Kritik, dass Ethnographien in ihrem Methodenkanon in der Tat die Logik der Praxis anderer Kulturen durch ethnographisches Schreiben autorisieren und legitimieren, indem sie vor allem die Stimmen der Beteiligten und deren Interpretationen zur Sprache bringen. Dabei wird jedoch leicht vergessen, dass Ethnographien auch immer die Positionierung der Forscherinnen...

2017-01-24

Nichts ist wahr ohne sein Gegenteil, sagt der junge Alte Martin Walser. Also: Aufklärung ist immer auch Verklärung, insbesondere wo sie sich dem alles beanspruchenden Fortschrittsmythos verpflichtet zeigt. Und Kulturrelativismus verabsolutiert die kulturelle Kreativität, gerade wo diese, wie so oft, in Wahn und Grauen ausschlägt oder, wie noch öfters, fremdbestimmt ist. Die beiden im Widerstreit stehenden Weltsichten gleichen sich, wo sie Heterogenes gleichmachen möchten, sie trennen sich, wenn es um Bescheidenheit und Zurückhaltung im Urteil - bei Cicero hieß diese schon damals seltene...

2017-01-17

„Okay, okay - an einigen unwirtlichen Orten dieses Planeten mag es immer noch angebracht sein, fremde Menschen, die einem unangemeldet über den Weg laufen, vorsichtshalber zu erschlagen ...“ Mit diesen Worten leitet Christian Weber seinen Artikel über die „edlen Wilden“ ein, an dessen Ende eine generalisierende Diskreditierung der Ethnologie steht, mit herausgepickten angeblichen Argumenten verschiedener Forscherinnen und Forscher vergangener Zeiten als Belege für die Antiquiertheit einer Wissenschaft. Sich tarnend mit dem kumpelhaften, pseudocoolen und fast spießig gewordenen „okay, okay...

2017-01-10

Anmerkung der Redaktion: Die Stellungnahme von Christian Weber findet sich auf der Facebook-Seite der DGV: https://www.facebook.com/DGV.GermanAnthropologicalAssociation/posts/1876...

Erstaunt habe ich die Stellungnahme zu meinem Artikel 'Dschungelmärchen' in der Süddeutschen Zeitung vom 15. Oktober 2016 gelesen. Ihr zugrunde liegt ein Missverständnis. In dem kritisierten Beitrag geht es gar nicht um die Ethnologie als Wissenschaft, deren...

2017-01-03

Anmerkung der Redaktion: Bei folgendem Text handelt es sich um einen offenen Brief des aktuellen Vorstands und Beirats der Deutschen Gesellschaft für Völkerkunde (DGV), der am 26. Oktober 2016 auf der DGV-Webseite veröffentlicht wurde. Autoren des Textes sind Hansjörg Dilger, Kristina Dohrn, Dominik Mattes, Anita von Poser, Birgitt Röttger-Rössler und Olaf Zenker. Vgl. http://www.dgv-net.de/offener-brief-an-die-sueddeutsche-zeitung/

Mit großem Befremden haben wir den...

2016-12-27

Christian Weber gehört zu denjenigen Wissenschaftsjournalisten, die Wissenschaft kritisch hinterfragen und sich auch nicht scheuen, wie ihre Kollegen aus der Politik ihre Meinung kundzutun. In seinem Artikel Die Mär vom Edlen Wilden dient ihm ein Fotoband von Nelson, aus dem farbige Abbildungen den Artikel illustrieren, zum Anlass, über uns und die Anderen nachzudenken. Das Thema ist im Jahr 2016 mehr als aktuell. Der Andere steht plötzlich als Migrant und...

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