Kulturrelativismus und Aufklärung archive February 2017

Eine Debatte über den Umgang mit Fremdem

Unter dem Titel Dschungelmärchen erschien am 15./16.10.2016 eine Polemik gegen die Ethnologie in der Süddeutschen Zeitung (online unter dem Titel Die Mär vom edlen Wilden am 17.10.2016).  Der Autor Christian Weber zeichnet darin ein Bild des Faches, das die Ethnologie als unheilbringende und gefährliche Verklärerin barbarischer Verhaltensweisen erscheinen lässt, gehe doch der in die Gründung der Ethnologie eingeschriebene...
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2017-02-28

Anmerkung der Redaktion: Marpurg uff Fastnacht 2017

Dieser Blog verdankt sein Entstehen einem Feuilleton-Aufsatz, doch um den geht es hier inzwischen kaum noch, sondern allgemein um ethnologischen Kulturrelativismus. Den möchte ich aber auch noch einmal auf jenen Aufsatz anwenden. Ich nehme ihn zum Beispiel einer von vielen widersprüchlichen Facetten unserer uneinheitlichen Kultur: Der Feindschaft gegen schöne Bilder.
 
Die Hauptkritik des...

2017-02-21

Warum reagieren deutsche Ethnologinnen und Ethnologen derart dünnhäutig auf ein paar journalistische Seitenhiebe auf ihr Fach? Auf die Gefahr hin, als Nestbeschmutzer zu gelten: Der Journalist, dessen Artikel diesen gelehrten ‚Shitstorm‘ auslöste, hat einen wunden Punkt getroffen, sonst würden sich nicht so viele von uns bemüßigt fühlen, Repliken zu verfassen. Er trifft das Fach und seine Vertreterinnen und Vertreter in zweifacher Hinsicht, freilich anders als beabsichtigt, sozusagen von hinten durch die Brust ins Auge. Es bietet sich deshalb an, weniger die Anwürfe des Journalisten, zu...

2017-02-14

Runde 1.
 
Ist es wirklich notwendig, einen Blog zum Kulturrelativismus ins Leben zu rufen, weil ein Wissenschaftsjournalist grobschlächtig über unser Fach generalisiert? Nein, wahrscheinlich nicht. Aber zugegeben: Weber ist kein Einzelfall. Auch in der „Zeit“ konnte man vor einiger Zeit einen Artikel lesen, der den Begriff Kulturrelativismus mit moralischer Indifferenz gleichsetzte. 
 
Demnach fliegen hier gleich mehrere Bedeutungen des Begriffs unordentlich durcheinander. Natürlich ist Kulturrelativismus erst einmal nur eine methodische Voraussetzung in...

2017-02-07

Der Artikel Die Mär des edlen Wilden erscheint heute wie eine Polemik, doch zur Hochzeit des Kolonialismus würde Christian Webers Argumentation die gängige Geisteshaltung widerspiegeln. Kolonialismus definierte sich nicht nur durch die Landnahme oder die Ausbeutung von Arbeitskräften, sondern auch durch die Beherrschung des Bewusstseins und Denkens. Die Mittel hierfür waren nicht physische Gewalt, sondern die Sprache der Kolonialherren und die Einführung von...